//Kleine Designstudie über die Frutiger Schrift

Kleine Designstudie über die Frutiger Schrift

Frutiger

Serifenlose Linear-Antiqua-Schrift von Adrian Frutiger

Die ser­ifen­losen Lin­ear-Antique-Schrift Frutiger, welche den Namen des Schrifterzeugers trägt, wurde 1975 ent­wor­fen. Markante Merk­male sind die offe­nen Putzen und die zeit­gemässe X-Höhe. Es ist unbe­strit­ten, dass die Schrift ihrer Zeit voraus war. Die Frutiger ist eine sehr funk­tionelle und präzise Schrift mit viel Liebe zum Detail. Die Entwick­lung der Frutiger fing eigentlich schon bei der Schrift Rois­sy an. Rois­sy wurde 1970 für die Beschilderung am Flughafen Paris-Charles de Gaulle ent­wor­fen. Der ganze Entwick­lung­sprozess dauerte Jahrzehnte. Die Schrift wird auch heutzu­tage noch an unzäh­li­gen Orten in der Schweiz genutzt.

Für Schrift­gestal­ter und Typographen ist Adri­an Frutiger ein all­ge­gen­wär­tiger Begriff, im Gegen­satz zu den meis­ten Men­schen, welche sich nicht mit der Schrif­ten­twick­lung befassen. Dies ist erstaunlich, wer­den wir doch jeden Tag mit der Schrift von Adri­an Frutiger kon­fron­tiert. Er hat näm­lich vor knapp 15 Jahren die Schrift für die Verkehrss­childer in der Schweiz entwick­elt, eine Schrift, die zeit­los und gut leser­lich die Strassen schmückt. Adri­an Frutiger jedoch nur auf seine ent­wor­fe­nen Schriften zu reduzieren, würde ihm keines­falls gerecht wer­den. Er hat auch mass­ge­blich die Entwick­lung der Typogra­phie bee­in­flusst. Davon zeugt sein Buch: „Der Men­sch und seine Zeichen“, welch­es 1978 erschien. Es gilt als Stan­dartwerk der Zeichen­sprache und wurde in viele Sprachen über­set­zt.  Die grafis­che Anwen­dung bekam eine eigene Hand­schrift und hat auch in die Entwick­lung des Designs und der Architek­tur hineinge­grif­f­en. Die Zeichen kom­men leicht und luftig daher, wie hinge­wor­fen, in gross­er Har­monie und Ein­heit. Durch die extreme Abstrak­tion auf ein paar — wie es scheint — sim­ple Buch­staben, sieht man den wahren Wert dahin­ter; dieser erschliesst sich näm­lich erst beim genaueren Betra­cht­en. Auf den ersten Blick sind es nur ein­fache Buch­staben, dem zweit­en Blick erschliesst sich die gestal­tung­stech­nis­che Grösse und die Funk­tion­al­ität, welche sich im All­t­ag bewährt.

Viele Design­trends in unser­er schnel­llebi­gen Zeit kom­men und gehen; die Schriften, Zeichen und Sym­bole von Frutiger bleiben und set­zen auch heute noch Mark­steine ins mod­erne Design. Auch der Lebenslauf von Frutiger finde ich dur­chaus span­nend, ger­ade weil er trotz unsag­bar har­ter Schick­salss­chläge seine Begabung nie ver­nach­läs­sigte. Frutiger starb 2015. Es ist nicht über­trieben zu sagen, dass Frutiger mit seinen Schriften im graphis­chen Bere­ich die Rev­o­lu­tion von der Klas­sik zur Mod­erne ein­geleit­et hat. Für ihn war das Entwer­fen ein­er Schrift nie ein kalter, kon­struk­tiv­er Vor­gang; bei ihm stand stets der Men­sch und seine Bedürfnisse im Vorder­grund. Frutiger ging auch immer neue Wege und hat­te keine Angst, Unge­wohntes zu wagen. Ja, er stellte Vieles in Frage und passte seine Schriften jew­eils der Zeit an. Daher ist es nicht erstaunlich, dass Frutiger, obwohl Jahrgang 1928, sog­ar Schriften entwick­elt hat, welche com­put­er­tauglich sind. Ger­ade als Grafik-Design­er fasziniert mich dieser tüchtige, intel­li­gente Men­sch, der stets nach Lösun­gen suchte, welche dem Men­schen zu Gute kom­men. Ich denke, ich kann von diesem Schrift­gestal­ter sehr viel ler­nen, sei es im kün­st­lerischen wie im men­schlichen Sinn.

By | 2018-03-21T15:02:39+00:00 August 20th, 2017|Designgeschichte|0 Comments

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